Furka / Sunnig Berg - Zorro (6b+)

Letztes Jahr hatten wir noch tonnenweise Material an den Fuss des Sunnig Berg geschleppt um die beiden Routen Via Matthias und Zorro zu sanieren. Dementsprechend grosse Augen hatten wir damals gemacht als wir am Einstieg neue Bohrhaken in der Zorro entdeckten. Glücklicherweise fanden wir in der Via Matthias noch eine offene Aufgabe und standen schlussendlich nicht nur nicht blamiert, sondern im Gegenteil, sehr zufrieden am Gipfel. Trotzdem hatten wir den Aufwand total unterschätzt und konnten nur noch beim Abseilen einen Blick in die Zorro werfen. Also blieb noch herauszufinden, was genau sich hinter der Maske des Zorro verbarg. Diese wurde wie bereits die Via Matthias von Jürgen Fodor, gemeinsam mit Annette Hoffmann, im Jahr 1991 erstbegangen. Während man damals konsequent den Schwachstellen der Wand folgte, wodurch sich der Z-förmige und vermutlich namensgebende Routenverlauf ergab, hat die Sanierung an einigen Stellen eine direktere bzw. freiere Linie gefunden. Leider ist uns immer noch nicht bekannt wem dafür der Dank gebührt, nützliche Hinweise sind willkommen!

Mitte Juli lag dieses Jahr noch ein wenig Schnee am Einstieg der Zorro, aber man erreicht den Fels einfach. Der Einstieg der Via Matthias war bereits aper. Um ca. 7:20 Uhr erreicht die Sonne den Einstieg, aber warm genug war uns auch davor schon nachdem wir ca. 1h zugestiegen waren.


L1 5c+

Wir begannen wegen dem Schnee am ersten BH und zunächst wollte ich nicht so richtig vom Fleck kommen, denn direkt durch die Platte ist es gar nicht so einfach. Die Ideallinie ist hier eher links an der Verschneidung, aber nach einigen Schritten zieht es einen dann doch quer über die Platte. Ein schöner Schritt, super abgesichert. Danach etwas einfacher und weiter abgesichert, an einer Querfuge kann man noch einen mittleren Cam versorgen. Nach einer kurzen Verschneidung geht es einfacher über eine Rampe zur Standplatte.

L2 6b++

Ominös geht es bereits aus dem Stand raus steil um eine Ecke, aber hier noch recht moderat. Danach gelangt man in einen Abschnitt, wie es ihn wohl nur im Granit geben kann und auch da muss ich sagen bin ich wohl noch wenig Vergleichbares geklettert. Es handelt sich um eine ziemlich glatte ~100-Grad Verschneidung mit einem stumpfen, für die Finger unbrauchbaren Rissgrund. Glücklicherweise liegt das Ganze ein wenig, aber trotzdem muss man sich hier recht ungewohnt hocharbeiten. Das Ganze kulminiert in einem kurzen, aber delikaten Gegendruck-Exit. Die Crux kommt aber erst ganz zum Schluss - und auch hier handelt es sich um eine recht einzigartige Sequenz. Eine total abdrängende Dachverschneidung mit ziemlich blankem Parkett, zu überwinden mit einer Mischung aus reibungslastigem Jamming und Stemming - ziemlich abgefahren! Und nicht ganz einfach zu lesen...ich musste mir einen zweiten Versuch geben, nachdem ich mich beim ersten Mal ziemlich in die Sackgasse manövriert hatte.


L3 6a+

Zuerst geht es einige Meter einfach, aber ungesichert der flachen Rampe entlang hinauf. Während die Originalroute weiter der flachen Rampe folgt, zweigt die sanierte Linie links in ein Verschneidungssystem ab, das direkt in den auf den ersten Blick abweisend steil wirkenden Teil der Wand führt. Die Verschneidung ist zwar noch nicht so steil, aber fordert doch ein paar eher unsichere Bewegungen auf Reibung und Gegendruck. Ein BH ist hier ziemlich schwierig zu klippen, man legt gern vorher noch einen guten, mittleren Cam (#0.5). Zuletzt gehts nochmals interessant um die Ecke auf eine Rampe wo man bequem Stand bezieht.


L4 6b+

Wow! Nur schon der Anblick dieser Länge lässt Vorfreude aufkommen. Wir wussten zwar noch nicht was der Tarif sein würde, aber das steile Verschneidungs-System mit perfekt gefrästen Fingerrissen sah schon mal sehr einladend aus. Obwohl man diese Länge sicher auch komplett clean absolvieren könnte, stecken auch noch regelmässig BH. Auf jeden Fall ist die Kletterei wirklich traumhaft - immer wenn es schwierig werden könnte, kommt eine Struktur daher und sorgt dafür, dass der Kletterfluss nicht ins Stocken kommt. Nur der steile Exit auf die Rampe ist zuletzt nicht ganz so einfach zu haben, aber mit der richtigen Positionierung kann man auch diese Stelle wegstehen.


L5 6b

Hier wagen wir einen Blick hinab auf die Nordseite, wo vermeintlich die Originallinie verläuft. Und tatsächlich, es gibt hier ein steiles Risssystem, das aber so flechtig ist, dass der Fels hier fast rabenschwarz ist. Die neue Alternative scheint da klar attraktiver. Auch in der nun vorliegenden Länge wurde ein anderer Weg eingeschlagen als im Original. Diesmal waren es aber nicht die Flechten, sondern eher die Schwierigkeiten, die den Anlass gaben. Die alte Linie nagelt sich linkerhand einem feinen, auslaufenden Untergriff-Riss hinauf - geht vermutlich schon, aber in der glatten Wand wohl nicht unter 7a/7a+. Wer mag kann sich daran versuchen - hier wurden auch neue BH ergänzt, aber zwischendurch muss man vermutlich auch mal einen der alten Schlaghaken mitclippen.
Der neue, einfachere Weg führt weit nach rechts an eine hohe Stufe. Auch hier gilt es zuerst etwas verzwickt in die richtige Position zu kommen und dann noch einen bouldrigen Mantel auszuführen. Kurz, aber nicht ganz ohne knack könnte man sagen. Zuletzt dann noch zwei plattige Stufen.

L6 5a

Dem Gelände nach zu urteilen wähnt man sich schon fast am Top, aber es sind tatsächlich nochmals 55m bis zum Stand der Via Matthias am Gipfelplateau. Man könnte schon auch davor nochmals Stand an einer kunstvollen Standplatte beziehen, aber einfacher ist es wohl wenn der Nachsteiger einfach etwas nachkommt.


Nicht ganz 4 Stunden hatte es schlussendlich gedauert alle Stellen der Zorro zu enthüllen. In Bezug auf Schönheit braucht die moderne Zorro den Vergleich zur Via Matthias nicht scheuen. Auch ist sie ähnlich schwer, wenn auch eher Schlüsselstellen-lastig als anhaltend. Insgesamt ist die Zorro tendenziell ein bisschen weniger anspruchsvoll, da man viel weniger selbst absichern muss als in der Via Matthias. Versierte Kletterer kommen vermutlich auch ganz ohne Gear durch, die Absicherung mit BH ist gut gemacht. Kombiniert man die beiden Routen, dann hat man die Cams eh dabei und so empfiehlt sich zumindest ein kleines Set #0.3-0.5 für die Zorro.

Hier noch ein komplettes Topo der beiden Routen - danke Philipp fürs Ergänzen!

Wir sind 5x über die Abseilpiste abgeseilt und obwohl es bei der Sanierung reibungslos ging, blieb das Seil diesmal gleich dreimal hängen, immerhin jedesmal kurz über dem Stand. Alternativ ginge es auch in 4x über die Via Matthias, aber zu unserer freudigen Überraschung waren dort gleich zwei andere Seilschaften am Werk.

Beide Seilschaften trafen wir später auch nochmal beim "Auge Saurons", das ist der Spitzname, den wir für den nachgelagerten Turm erfunden haben, an dem die 2 sehr schönen Risslängen der Route Kein Bockmist hinaufführen. Diesmal kletterten wir dort in der ersten SL direkt den Doppelriss rechts, was ich einfacher empfand als den dünnen Riss. Dafür plagten wir uns ein wenig mit dem linken, breiten Riss in der zweiten Länge. Damals waren wir rechts dem Piaz gefolgt, was schon merkbar einfacher ging. Man meint nämlich nur, dass der linke Riss Faustbreite hat, aber er ist eher zu eng dafür. Und vor allem ist es zu Beginn auch recht mühsam die Füsse in den Riss zu bekommen. Zu guter Letzt ist es selbst mit zwei 3er Cams eher runout und später in der Länge hätte man dann sogar gern nochmal einen...

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